Freitag, 12. April 2013

Das Gewissen - was ist das?

Kennt die Jugend noch das, was früher als Gewissen bezeichnet wurde?
Was ist eigentlich ein Gewissen, und woher kommt es?

Diese 3 Instanzen gibt es im Menschen:
Den Geist, das Ich, und das Selbst.
Von Freud schon erkannt, und als - Geist = ÜBERICH - Ich (Ego) = ICH - Selbst = ES - bezeichnet.

Das Kind:

Das Kind hat noch keine persönliche ICH-Vorstellung, also kein Ego. Es lebt noch im Zustand des Kindes
(wie er in der Bibel VOR der Vollendung gefordert wird).
Keine persönliche ICH - Vorstellung bedeutet, keinen eigenen Nutzen kennen, denn wenn in meiner Vorstellung kein ICH ist, kann ich auch nicht für mICH handeln - ich handle einfach. Kenne ich keinen eigenen nutzen, so gibt es für mich auch kein Gewinn oder Verlust. Wenn es keinen Gewinn oder Verlust gibt, gibt es weder Streben (nach Gewinn), noch Angst (vor Verlust). Wer kein Streben und keine Angst kennt, lebt sorglos. Sorglos ist man glücklich.

Je früher das Kind ein Ego aufbaut, um so schneller fällt es aus diesem glücklichen Zustand des Kindes heraus.
In der heutigen Zeit, werden schon Kleinkinder auf das Erzeugen eines Ego´s getrimmt.
In erster Linie dadurch, daß man ihm sagt: "Das ist DIR".
Alleine durch den Gedanken - Das ist MIR - entsteht ein Besitzdenken, und diesen besitzt muß ICH verteidigen.
Schon fängt der Kampf an.
Leider viel zu früh für diese Kinder, die schon auf Prestige schauen (Designer - Klamotten - Händis, usw.), und dadurch nur eine sehr kurze Kindheit (in ihrem wahren SELBST) haben.

Man schimpft über frühere Zeiten, als die Kinder schon arbeiten mußten - doch diese hatten noch kein Ego aufgebaut.
Es wäre besser, man würde sie heute auch etwas früher arbeiten lassen, als daß man sie mit mit Prestigeobjekten beschenkt, auf die sie einen STOLZ und BESITZANSPRUCH entwickeln.


Vom Jugendlichen bis zum Erwachsenen.

In dieser Zeit wird das Ego - die persönliche ICH - Vorstellung - im Geiste des Menschen aufgebaut. Das geschieht wie oben gezeigt, zunächst durch die Vorstellung - das ist MIR und das ist DIR. Hat der Andere mehr, oder etwas besseres, dann entsteht Neid. Habe ICH etwas mehr oder besseres, dann entsteht Stolz.
Um mehr zu haben, und Stolz sein zu können, muß ich mich anstrengen, und wenn ich es habe, muß ich diesen Besitz verteidigen. Somit entsteht Kampf, Anstrengung und Angst.
Einem Jugendlichen, dem man (die Eltern) alles vor die Füße legt, entsteht noch keine Anstrengung. Aber das kommt spätestens dann, wenn die Unterstützung der Eltern weg fällt, und sie sich Selbst ernähren müssen.

So entsteht auch ein Zukunftsdenken, welches ein Kind auch noch nicht kennt.
Ein Jugendlicher - spätestens der Erwachsene - denkt und Plant in die Zukunft für sICH.

Durch Gewinn und Verlust, durch Vertrauen und Enttäuschung, durch Freud und Leid, entsteht jedem Menschen eine ganz persönliche und individuelle ICH-Vorstellung.

Entstehen des Gewissens.

Wie gezeigt, gibt es für das Kleinkind noch kein Gewissen, da es in seinem Geiste noch im Selbst ruht - mit sich Selbst zufrieden ist.
Wird aber das Ego, die persönliche Ich-Vorstellung durch die Sinneswahrnehmung und Erfahrungswerte aufgebaut, so schiebt sich das ICH zwischen den Geist und das wahre Selbst.
Dadurch wird der menschliche Geist (Verstand) vom göttlichen Selbst (Seele) getrennt.
Durch diese Trennung, wird das wahre Selbst im Geiste nur noch als Gewissen wahr genommen.

Dieser "ICH - Mensch", ist nicht mehr mit sich Selbst zufrieden, denn er lebt im Geiste aus seinem Ego, das fast nur noch Eigennutz und Besitz kennt.
Diese ICH - Menschen, werden als unbewußt bezeichnet, weil ihnen im Geiste das wahre Selbst nicht mehr bewusst ist.

Selbstverwirklichung.

Es wird heute viel von Selbstverwirklichung geredet, doch in Wirklichkeit ist es eine ICH - Verwirklichung, die betrieben wird. Denn es existiert die irrtümliche Vorstellung, wenn man sICH zufrieden stellt (also seine Begehren und Verlangen aus dem ICH), wird das Selbst verwirklicht.
Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Je mehr man nach eigener ICH - Zufriedenheit strebt, um so mehr wird das Ego gestärkt, und die Verbindung von Geist und Selbst unterbrochen.



Gewissen.
Das Kind:

Selbst - Geist

Das Kind lebt noch aus dem Selbst im Geist, und hat daher kein Gewissen.


Der Unbewusste Mensch:

Geist - ICH - Selbst

Beim unbewussten Menschen ist das Selbst "unter" das ICH geraten, und somit kann nur sehr wenig Information aus dem Selbst in den Geist vordringen. Das sind diese Menschen, die gedacht werden - aus Ihrer ICH - Vorstellung heraus - und nicht SELBST denken.
Je mehr das Ego gesteigert wird, um so dicker wird der Filter, und um so weniger Licht aus dem Selbst kommt in den Verstand. Das sind die Unbewussten, und auch die gewissenlosen Menschen, welche nur ihren Eigennutz kennen.


Der bewusst werdende Mensch:
Geist
ICH - SELBST

Der bewusst werdende und lebende Mensch, fängt an, SELBST zu denken. Dadurch stellt er sich im Geiste über sein SELBST und sein ICH. Er beobachtet und prüft sich in seinem Handeln, und er stellt in Frage, ob die Gedanken die da ankommen, auch immer RICHTIG sind, oder ob sie durch Manipulation der Sinneswahrnehmung entstanden sind?
Dieser Mensch beginnt auf sein GEWISSEN (die Stimme aus seinem Selbst) zu hören und darauf zu achten.
Dieser Mensch hängt bildlich zwischen zwei Seilen, oder sitzt zwischen zwei Stühlen.

Goethe spricht in dieser Beziehung von ... zwei Seelen ach in meiner Brust ...
Diese zwei "Seelen", die hier beschrieben werden, sind das Ego und das Selbst.
Der Geist steht darüber, und muß sich ENTSCHEIDEN, auf wen oder was er "hören" will?
Das Begehren meldet sich aus seinem Ego, und das Gewissen meldet sich aus seinem Selbst. Beide sind in den Empfindungen (Wahrnehmungen) ziemlich gleich, und fast nicht zu unterscheiden. So entsteht das im Menschen, was als GEWISSENSKONFLIKT bezeichnet wird.
Ein Gewissenskonflikt ist ein Zwiespalt des Geistes zwischen der Sehnsucht aus dem Selbst, und den Begehren aus dem ICH. Sehnsucht und begehren sind aber als Gefühlswahrnehmung (in der Empfindung) sehr schwer zu unterscheiden.

Der Mensch sollte nicht zu lange in solch einem Konflikt bleiben, da er sonst im Geiste "zerrissen" wird - was die Psychologen heute als Schizophrenie bezeichnen.
Wenn der Zwiespalt zu groß wird, sollte man sich UNBEDINGT für eine Sache entscheiden. Es ist besser, sich für das "Falsche" zu entscheiden, als im Zwiespalt zu verharren.

In der Yogalehre wird von einem "Schwert der Unterscheidung" gesprochen, das auf dem geistigen Weg zu erringen ist.
Dieses dient eben der Unterscheidung zwischen Sehnsucht (Selbst) und Begehren (Ego).


Der Bewusste Mensch:

Geist
ICH - SELBST

Der bewusste Mensch, der sich schon das Unterscheidungsvermögen errungen hat, entscheidet sich nun immer mehr für sein wahres Selbst, achtet immer mehr auf sein Gewissen, und mindert das Ego. Dadurch gewinnt er immer mehr Erkenntnis - aus seinem Selbst. Denn je "dünner" der Filter (weniger ICH - Ego) wird, um so mehr Licht (Erkenntnis) dringt in den menschlichen Verstand (Geist) ein.
Der durchlebt gezielt und absichtlich die Bewusstseinsstufen, und herrscht immer mehr durch den Geist über die Beeinflussung der Sinneswahrnehmung und das Ego.
Bis er letztendlich den letzten Rest an persönlicher ICH - Vorstellung und Eigennutz für sICH abwirft, und NUR noch aus seinem wahren Selbst lebt.

Der hat dann wirklich sein wahres SELBST verwirklicht.

Der Vollendete:
Geist - Selbst

Der hat seinen Geist mit seinem wahren Selbst wieder in EINKLANG gebracht. Der hat auch kein Gewissen mehr, weil er zu seinem eigenen Gewissen (das wahre Selbst) GEWORDEN ist.
Der ist zum "Kinde" geworden, doch nicht mehr unbewusst (wie das neu geborene Kind), sondern voll bewusst aus dem Geist.
Der lebt in der Welt - wunschlos, glücklich, sorglos, voller Vertrauen.
Mit freundliche Grüßen,
Demetrius Degen

Wenn Sie mehr wissen und verstehen wollen, dann sind meine Bücher für Sie sicher interessant.

Mit freundlichen Grüßen
Demetrius Degen

©Demetrius Degen 
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